Credit Suisse Investitionen

Am 13. Januar 2020 sprach ein Gericht 12 Aktivisten, die die Credit Suisse vor Gericht gestellt hatte, frei. Es entschied, dass ihr Vorgehen durch die Dringlichkeit der Situation des Klimawandels und die Rolle der Bank dabei gerechtfertigt sei.

Am selben Tag gab die Credit Suisse eine Pressemitteilung heraus, in der sie feststellte, dass die Kampagne gegen die Bank falsche Informationen verbreite und behauptete, sie stehe im Einklang mit dem Pariser Abkommen.

Lassen Sie uns den Inhalt dieser Pressemitteilung mit den Fakten vergleichen.

Einige Zahlen

Um die vom IPCC formulierten und im Pariser Abkommen verankerten Ziele zu erreichen, hat der Direktor der Internationalen Energieagentur anerkannt, dass wir keine neue CO2-emittierende Infrastruktur mehr bauen können (The Guardian, nov. 2018).

Ausserdem enthalten die Reserven, welche bereits abgebaut werden, mehr Kohlenstoff, als wir verbrennen können, um die Erwärmung auf maximal 1,5°C zu begrenzen. Es sollten keine neuen Projekte zur Förderung und Produktion fossiler Brennstoffe eröffnet werden. Diese Fakten sind der Bank und allen wichtigen wirtschaftlichen und politischen Akteuren bekannt.

Die Credit Suisse unterstützt zwar offiziell die Ziele des Pariser Klimaabkommens, finanziert jedoch seit der Unterzeichnung des Abkommens im Jahr  2015 Unternehmen aus dem Kohle-, Öl- und Gassektor mit Milliarden an Fremdkapital für die Exploration, Förderung und Verarbeitung von fossilen Brennstoffen. Die vorhandenen Instrumente und Richtlinien scheinen bisher noch nicht zu Veränderungen in der Entscheidungsfindung der Bank geführt zu haben. Die Kredit- und Anlageportfolios der Bank werden schlichtweg nicht in einem der Klimakrise angemessenen Tempo dekarbonisiert. Damit diskreditiert sich die Bank.

Credit Suisse belegt einen Schlusslichtplatz in globalem Vermögensverwaltungs-Ranking

Laut einem Ranking  der 75 grössten globalen Anlagenverwalter zu Responsible Investments landet die Credit Suisse auf dem miserablen Platz 72 von 75 (Share Action, Point of No Returns, März 2020).

Insgesamt hat die Credit Suisse zwischen 2016 und 2019 74,3 Mrd. USD in fossile Brennstoffe investiert. Insbesondere unterstützte die Bank in diesem Zeitraum hundert globale Unternehmen, die ihr Geschäft mit fossilen Brennstoffen aktiv ausbauen, mit fast 23 Milliarden Dollar (RAN et al., Banking on Climate Change, 2020).

Ende 2018 zeigte Greenpeace auf, dass die Credit Suisse seit der Unterzeichnung des Pariser Abkommens von 2015 bis 2017 insgesamt 7,8 Milliarden US-Dollar für allein 47 Unternehmen bereitstellte, die besonders dreckige, sogenannt extreme fossile Brennstoffe nutzbar machen. Dazu zählen Kohle, Öl aus Teersanden, aus der Arktis und der Tiefsee sowie Flüssiggas (LNG). Mit diesen 7,8 Milliarden US-Dollar finanzierte die Credit Suisse total 127 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen (Right, Based on Science im Auftrag von Greenpeace, Eine Analyse der von Credit Suisse und UBS finanzierten Emissionen aus fossilen Brennstoffen, 2018).

Zwischen 2015 und 2017 hat die Credit Suisse 127 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen (t CO2e) über 47 untersuchte Unternehmen finanziert.

82,6 Millionen allein im Jahr 2017. (Right, Based on Science im Auftrag von Greenpeace, Eine Analyse der von Credit Suisse und UBS finanzierten Emissionen aus fossilen Brennstoffen, 2018). Zum Vergleich: die Schweiz hat im Inland 2017 insgesamt 47,96 Mio. t CO2e verursacht (BAFU, Entwicklung der Treibhausgasemissionen der Schweiz seit 1990, April 2019).

Zwischen 2016 und 2019 unterstützte die Credit Suisse einige der grössten Kohlebergbauunternehmen der Welt mit rund 2 Milliarden US Dollar, während sie gleichzeitig einige der grössten Kohlekraftwerke der Welt mit mehr als 4 Milliarden US Dollar unterstützte (RAN et al., Banking on Climate Change – Fossil Fuel Finance Report, 2020).

Die Credit Suisse hat seit 2017 Firmen, die neue Kohlekraftwerke bauen, mit rund 2,7 Milliarden US Dollar (Kredite und Investments) unterstützt.

Eine genaue Aufschlüsselung der Finanzdaten für Credit Suisse findet man hier:  https://coalexit.org/investments-bank-ct?name=Credit+Suisse (Urgewald, Dez. 2019).

Seit 2014 hat die Credit Suisse mit über eine Milliarde US Dollar einige der wichtigsten Unternehmen finanziert, die sowohl an der Gewinnung von Teersand aus Alberta als auch am Transport von Öl durch Pipelines aus Alberta beteiligt sind (RAN, Funding Tar Sands ; RAN et al. Banking on Climate Change, 2020).

Nota bene: Die Gewinnung dieser „extremen“, äusserst umweltschädlichen und menschenverachtenden Energie verursacht

  • Verletzung der Rechte von Indigenen Gemeinschaften
  • die Verschmutzung großer Wassermengen (bis zu 5 Barrel Wasser pro Barrel Rohöl)
  • Enorme Treibhausgasemissionen (190 kg Treibhausgase für die Gewinnung eines Barrels , dreimal mehr als bei konventionellem Öl)
  • die unumkehrbare Zerstörung eines Teils des borealen Waldes (insgesamt etwa 5.000 Quadratkilometer).

Menschen sterben bereits wegen der Verschmutzung des Athabasca River, der Hauptflusses der Region (Stephane M. McLachlan, Environmental and Human Health Implications of the Athabasca Oil, 2014). Eine kürzlich durchgeführte Studie zeigt, dass die Treibhausgas-Emissionen um 30% höher sind als von den Unternehmen, die sie verursachen, im Voraus angekündigt wurde (John Liggio & al., Nature Communications, april 2019). Einige Wissenschaftler sind der Meinung, dass die Förderung von Teersandöl es nicht erlaubt, unter der 2°C-Grenze der Erderhitzung zu bleiben, der Obergrenze, die durch das Pariser Abkommen festgelegt wurde (Christophe MacGlade & Paul Enkins, Nature, 7 juin 2015).

Die Credit Suisse hat von 2016 bis 2019 mit mindestens USD 622 Mio. Unternehmen finanziert, die in der Arktis Bohrungen durchführen. Dabei erfolgte sogar eine Finanzierungs-Zunahme in 2019 (RAN et al., Banking on Climate Change – Fossil Fuel Finance Report  2020).

Die Credit Suisse hat von 2016 bis 2019 mit mehr als 3 Milliarden US Dollar Unternehmen finanziert, welche Offshore Öl- und Gasförderung betreiben. Sie zählt damit global zu den Top-Zehn-Banken im Öl-, Gas- und Fracking-Geschäft. (RAN et al., Banking on Climate Change 2020).

Der Qatar Sovereign Wealth Fund bleibt vor Harris Associates und Norges Bank der grösste Aktionär der Bank.  (Bloomberg Database Stand 3.7.2020; Allnews.ch, Credit Suisse le Qatar augmente sa participation, 13 aout 2018).

Katar ist der weltgrößte Exporteur von verflüssigtem Erdgas.

4
Milliarden USD an fossilen Brennstoffen
Zwischen 2016 und 2019
1
Millionen Tonnen Treibhausgase
Zwischen 2015 und 2017
1
Millionen USD zur Finanzierung von Arktisbohrungen
Zwischen 2016 und 2019

Ihre Worte - Unsere Kommentare

“ Credit Suisse versucht, ihre Finanzierung an den Zielen des Pariser Abkommens auszurichten. “

Die Credit Suisse gehört zu den 35 Banken, die sich weltweit am stärksten für die Unterstützung und Finanzierung fossiler Brennstoffe engagieren (BankTrack, Banking on Climate Change 2019). Während die Bank öffentlichkeitswirksam beteuert, die Klimakrise ernst zu nehmen, finanzieren sie weiterhin Unternehmen, die extrem schädliche Brennstoffe wie Kohle und Öl aus Teersanden und Fracking suchen und fördern.

Das Pariser Abkommen wurde 2015 unterzeichnet. Fünf Jahre später ist die Credit Suisse „noch weit davon entfernt, sich von der fossilen Brennstoffindustrie zu trennen“ (Johan Frijns et al., Brief an den CEO der Credit Suisse, Dezember 2019).

Beispiele und Zahlen, die das sehr starke Engagement der Bank bei der Finanzierung fossiler Brennstoffe belegen, gibt es in Hülle und Fülle. Eines der vielen Beispiele ist die Rolle, die sie beim IPO von Saudi Aramco Ende 2019 gespielt hat.

Nachdem die Bank alles getan hatte, um die globale Koordination zu übernehmen, war sie über die Credit Suisse Saudi Arabia einer von neun Finanzberatern beim Börsengang des weltgrössten Ölproduzenten Saudi Aramco im Dezember 2019. Die Credit Suisse Europe war einer ihrer Joint Bookrunner (Globallegalchronicle.com, Saudi Aramco’s $25.6 Billion Initial Public Offering, Dezember 2019).

Laut Richard Heede vom Climate Accountability Institute ist Saudi Aramco seit 1965 für die Produktion von 4,38 % des durch menschliche Aktivitäten erzeugten Kohlendioxids und Methans verantwortlich. Das unternehmen führt die Liste der „20 größten Unternehmen der Welt“ an die für mehr als ein Drittel aller modernen Treibhausgasemissionen verantwortlich sind“ an (The Guardian, Revealed: the 20 firms behind a third of all carbon emissions, 9 Oktober 2019).

Credit Suisse’s "interne Richtlinien werden laufend überprüft und kontinuierlich gestärkt"

Im Bereich des Klimawandels haben sich freiwillige Lösungen der Banken in den letzten Jahren im Allgemeinen als unbedeutend für die notwendige Reduktion der Treibhausgasemissionen erwiesen. Die klimabezogenen Standards und Richtlinien  der Credit Suisse  sind minimal bis schwach. Eine detaillierte Analyse zu den Richtlinien in den verschiedenen fossilen Sektoren (Stand März 2020) zeigt auf, dass die Bank insgesamt nur  9 von 200 möglichen Pkt. erreicht. (im Vergleich: die beste Policy, von Crédit Agricole, erreicht 82 Punkte) (RAN et al., Banking on Climate Change – Fossil Fuel Finance Report  2020). Dieses Resultat könnte sich mit den Ende Juni 2020 angekündigten neuen Restriktionen leicht verbessern.

In der Praxis haben ihre internen Richtlinien die Credit Suisse nicht daran gehindert, sich an der Finanzierung einer Reihe von Projekten und Unternehmen mit katastrophalen Auswirkungen auf das Klima zu beteiligen, wie z.B. die direkte Finanzierung des ersten Schiefergasexportterminals aus den USA, Sabine Pass (bekannt dafür, dass er nach 10 Jahren chronisch unterschätzter Leckagen vorübergehend stillgelegt wurde: Justin Mikulka, Desmog, 18 feb. 2018), sondern auch die Finanzierung von mehr als 1 Mrd. USD im Jahr 2018 des texanischen Schiefergasunternehmens Apache (Daniel Stern, Der wilde Ritt der Credit Suisse, WOZ, 4 april 2019).

Die Richtlinien der Bank hinderten sie auch nicht daran, im Jahr 2017 zusammen mit anderen 21 Banken zur Finanzierung von TransCanada beizutragen (Alison Kirsch, Who’s bankrolling TransCanada, march 2017 / RAN, Funding Tar Sands, nov. 2017), einem Unternehmen, das mehrere symbolträchtige Klimakillerprojekte leitet, darunter die berüchtigte Keystone XL-Pipeline.

Schließlich gewährten die Richtlinien der Bank, zwischen 2016 und 2019 der zweitgrößte Geldgeber des deutschen Unternehmens RWE zu sein, das die Braunkohle, die umweltschädlichste Kohle in Nordwestfalen, fördert. Das Gebiet ist eines der CO2-intensivsten in Europa (BankTrack, Banking on Climate Change 2019 / Gerard Wynn, RWE’s lignite, Energypost.eu, oct. 2018).

“ Credit Suisse hat angekündigt, keine neuen Kohlekraftwerke mehr zu finanzieren “

Im Dezember 2019 hat sich die Credit Suisse verpflichtet, „neue Kohlekraftwerksprojekte“ nicht mehr direkt zu finanzieren. Diese Ankündigung ist für die Credit Suisse alles andere als ein schweres Opfer. In den letzten 20 Jahren hat die Bank nur zwei direkte Kredite für neue Kohlekraftwerksprojekte vergeben, einen 2006 und einen 2007. Mit anderen Worten: Die Credit Suisse versucht, mit geringen Kosten das Bild einer verantwortungsbewussten Bank zu vermitteln, indem sie sich verpflichtet, nicht mehr das zu tun, was sie bereits nicht oder nicht mehr tut.

Die Bank sticht als grösste nicht-chinesische Geldgeberin bei der Finanzierung der globalen Kohleförderung in den letzten vier Jahren heraus. Zwischen 2016 und 2019 hat die Credit Suisse den 30 größten Kohlekraftwerksbetreibern mehr als 4 Milliarden USD zur Verfügung gestellt. Damit trägt sie zum Ausbau einer der treibhausgasintensivsten Energiequellen bei (RAN et al., Banking on Climate Change 2020).  Solche Finanzierungen verunmöglichen den für die Klimaziele notwendigen Ausstieg aus Kohle und die Transition von fossilen zu erneuerbaren Energie.

Eine Verpflichtung, die wirklich etwas Positives im Kampf gegen den Klimawandel hätte bewirken können, wäre die Beendung der massiven Finanzierung für Unternehmen, die im Kohlesektor tätig sind. Bei allen Banken machen die „Corporate“-Finanzierungen den größten Teil ihrer Kohlefinanzierungen aus; Projektfinanzierungen machen mit weniger als 10 % noch immer nur einen kleinen Teil aus. Für die Credit Suisse hingegen erfolgt die Unterstützung der Kohle fast ausschliesslich in Form von Krediten oder Beihilfen für die Ausgabe von Aktien und Anleihen für Unternehmen.

Die Bank hat Ende Juli 2020 gewisse Restriktionen angekündigt, wie keine weitere Finanzierungstätigkeit oder Kapitalmarktemissionen für Unternehmen, die mehr als 25% ihrer Umsätze mit dem Abbau von Kraftwerkskohle erwirtschaften,  oder  mehr als 25% ihrer Umsätze mit Kohlekraft erwirtschaften (Credit Suisse Medienmitteilung, 30. Juli 2020). Ob diese Restriktionen einen Unterschied machen wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

Im Gegenteil: (RAN et al., Banking on Climate Change 2020).

“ Der Anteil von Krediten für fossile Energien von Credit Suisse befindet sich am unteren Ende der Bandbreite “

Dass das Management der Zürcher Bank nun in dieser Position ist, ist eine gute Nachricht! Und aus gutem Grund gibt sie der Idee Glaubwürdigkeit, dass die Desinvestition der der globalen Industrie für fossile Brennstoffe gewährten Summen für die Bank voll und ganz möglich ist.

Um jedoch gleichzeitig die Realität der angekündigten Größenordnung beurteilen zu können, wäre es notwendig, den richtigen Betrag in USD sowie das Profil der in den nächsten 30 Jahren zu erwartenden Volumina der „Fossilen Energie Kredite“ zu haben.

Dieses Profil sollte ab diesem Jahr drastisch abnehmen und spätestens 2050 den Wert 0 erreichen, d.h. „7,6 % Emissionsminderung pro Jahr zwischen 2020 und 2030, um die Erwärmung möglichst nahe an 1,5°C zu begrenzen“ (UNEP, Emissions gap report, 2019). Transparenz über die Anteile an fossilen Brennstoffen in den Portfolios ist unerlässlich, wie bereits vom NGFS (Network for Greening the Financial System, A Call for Action, april 2019) und der TCFD ((Recommendations of the Task Force on Climate-related Financial Disclosures, june 2017) empfohlen wurde.

“ Credit Suisse ist ein Motor für nachhaltige Geldanlagen “

Die Unterstützung der Entwicklung erneuerbarer Energien ist wichtig. Sie ist eine der Achsen eines energetischen und ökologischen Wandels, der absolut notwendig ist. Sie wirft aber auch einige wesentliche Fragen auf.

Um glaubwürdig zu sein, müssen die genannten Investitionsvolumina zunächst geklärt werden. Viele multinationale Kohle- oder Ölkonzerne investieren primär in die fossilen Energien und haben ein kleines Nebenportfolio an erneuerbaren Energien. Darüber hinaus haben die erneuerbaren Energien auch schädliche Klimaexternalitäten, deren Realität schwer zu verbergen ist. Hoffen wir, dass die Credit Suisse ihr Möglichstes tut, um die genauen Auswirkungen dieser Externalitäten herauszufinden. Diese Daten sind wichtig, wenn man sie mit der Wirksamkeit der Unterstützung anderer Emissionsreduktionsstrategien vergleicht.

Zweitens ist die Finanzierung erneuerbarer Energien bei gleichzeitiger massiver Förderung fossiler Brennstoffe – mit dem Eifer, den die Credit Suisse gezeigt hat – höchst problematisch. Die Klimazerstörung wird nicht aufgehalten, indem man parallel zur Förderung fossiler Brennstoffe auch noch erneuerbare Energien fördert, da erneuerbare Energiequellen zwar emissionsarme Energie zur Verfügung stellen, nicht aber Klimagase resorbieren, und damit auch nicht die Emissionen fossiler Brennstoffe ausgleichen können!

Die glaubwürdigsten Reformszenarien für den Energiesektor (einschließlich des Negawatt-Szenarios in Frankreich) beruhen vor allem auf Energieeffizienz und Konsumreduktion. Der Übergang zu High-Tech-Lösungen (einschließlich der so genannten „erneuerbaren“ Energien) wird seit 40 Jahren versucht und hat sich als unwirksam erwiesen, um die Mengen an CO2-Äquivalenten, die die globale ökologische Krise antreiben, drastisch zu reduzieren: Sie haben den Verbrauch fossiler Brennstoffe nicht ersetzt, sondern sich lediglich zu einer immer größeren Menge an Kohle-, Öl- und Gasproduktion dazugesellt (Richard York, Nature Climate Change, june 2012 ; Yuanan Hu & Hefa Cheng, Nature Communications, feb. 2017).

“ Die Credit Suisse unterstützte die Emission von Green Bonds im Umfang von USD 28 Milliarden. “

Grüne Anleihen sind in der Regel „greenwashing“ Finanzprodukte. Wie das Center for International Climate and Environmental Research (CICERO) in Bezug auf die grünen Anleihen von HSBC im Jahr 2015 feststellte: „Es gibt keine Garantien oder Methoden, um sicherzustellen, dass der Nettoeffekt von [grünen Anleihen] signifikant positiv ist. „(„Second Opinion“ zum HSBC-Rahmenplan für grüne Anleihen, Cicero 2015). Es wurde kürzlich theoretisch bewiesen, dass “[Green Bonds und Standardanleihen] tatsächlich dasselbe Produkt sind, trotz des politischen und medialen Diskurses, der einem Unterschied zwischen den beiden Produkten Glauben schenkt.“ Die Autoren der entsprechenden Untersuchung wiesen auch darauf hin, dass „das mit einer solchen Anleihe verbundene ‚grüne‘ Versprechen keinen rechtlichen Wert hat“ und kamen zu dem Schluss: „Es ist zumindest fraglich, ob die ‚grüne‘ Anleihe zum Kampf gegen die globale Erwärmung beiträgt (im Gegensatz zu einigen Projektfinanzierungen oder anderen Direktinvestitionen in grüne Projekte) und ob die Frage des funktionierenden Greenwashing aufgeworfen werden kann. (Ekeland und Lefournier, L’obligation verte : homéopathie ou incantation?, 3 juin 2019)

In einem Artikel der Zeitung The Guardian vom Februar 2019 hieß es: „Australien [verwendet] Klimafinanzierung zur Nachrüstung von Kohlekraftwerken. (Adam Morton, Out on its own, The Guardian, 28 feb. 2019)

Wenn man schliesslich davon ausgeht, dass diese grünen Anleihen wirklich grün sind, sind die angekündigten „28 Milliarden USD an grünen Anleihen für [ihre] Kunden“ über 6 Jahre lächerlich gering und machen weit weniger als die Hälfte dessen aus, was die Credit Suisse in „Transaktionen mit fossilen Brennstoffen“ über den Zeitraum 2016-2019 verliehen hat.

“ Die Credit Suisse unterstützt die Transition zu einer klimafreundlichen Zukunft durch Engagement mit den fossilen Brennstoff Produzenten “

Es reicht nicht,  dass die Credit Suisse auf Engagement-Ansätze mit dem Ziel einer schrittweisen Transformation verweist, wenn von ihnen finanzierte Unternehmen ein nicht transformierbares Geschäftsmodell besitzen oder sich an klimaskeptischem Lobbying beteiligen. In solchen Fällen kann nur die dauerhafte Einstellung der Geschäftsbeziehungen im Interesse der Umwelt sein.

Wir befinden uns im Jahr 2020, 50 Jahre nachdem die große Herausforderung des Klimawandels wissenschaftlich fundiert wurde, 11 Jahre nach der COP15 in Kopenhagen, 5 Jahre nach der COP21.

Im Gegensatz zu anderen grossen europäischen Finanzakteuren versäumt es die Bank ihre Tätigkeiten im Hinblick auf deren klimaschädlichen Einflüsse zu überprüfen. Dieses Scheitern gefährdet unsere Zukunft und bedroht jetzt Millionen von Menschen. Die Brände in Sibirien, im Amazonas und Australien, die Dürre in Indien, die Überschwemmungen und Brände in Indonesien sind nur Beispiele für die Gefahren, vor denen uns der IPCC in seinem Bericht über die Folgen einer Erwärmung über 1,5°C gewarnt hat (IPCC, Special Report, Global Warming of 1.5°C, 2018).

Die Reaktion der Credit Suisse auf diese Situation und auf die gegenwärtigen Massenmobilisierungen, einschliesslich verschiedener von der Bank eingereichter Klagen gegen Klimaaktivisten*Innen, ist empörend. Sie macht uns nur noch entschlossener, eine rasche Desinvestition aller Mittel zu erreichen, die den Hauptakteuren des Klimachaos dienen.